Nebenkostennachzahlung: Ratenzahlung, Fristen und Ihre Rechte
Eine hohe Nebenkostennachzahlung kann Mieter finanziell hart treffen — besonders wenn sie unerwartet kommt. Doch welche Rechte haben Sie? Koennen Sie in Raten zahlen? Und welche Fristen gelten? Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Nebenkostennachzahlung.
Wann ist eine Nachzahlung faellig?
Die Nachzahlung wird grundsaetzlich sofort nach Zugang der Abrechnung faellig. Es gibt keine gesetzliche Schonfrist. In der Praxis gewaehren viele Vermieter eine Zahlungsfrist von 2-4 Wochen — dies ist jedoch eine Kulanzregelung, kein gesetzlicher Anspruch.
Pruefen Sie Ihren Mietvertrag: Manche Mietvertraege enthalten eine Regelung zur Faelligkeit der Nachzahlung (z.B. "faellig mit der naechsten Mietzahlung").
Muss ich die Nachzahlung sofort leisten?
Ja — auch wenn Sie die Abrechnung fuer fehlerhaft halten. Solange Sie keinen Widerspruch eingelegt haben und die Abrechnung formell korrekt ist, besteht die Zahlungspflicht. Allerdings gibt es eine wichtige Einschraenkung:
Tipp: Zahlen Sie unter Vorbehalt. Vermerken Sie im Verwendungszweck der Ueberweisung "Zahlung unter Vorbehalt der Pruefung der Nebenkostenabrechnung [Zeitraum]". So sichern Sie sich das Recht, den Betrag spaeter zurueckzufordern, falls die Abrechnung fehlerhaft ist.
Gibt es ein Recht auf Ratenzahlung?
Ein gesetzliches Recht auf Ratenzahlung gibt es bei der Nebenkostennachzahlung nicht. Der Vermieter ist nicht verpflichtet, Ihnen Ratenzahlung zu gewaehren. Dennoch gibt es mehrere Moeglichkeiten:
Einvernehmliche Ratenzahlungsvereinbarung
In der Praxis sind viele Vermieter bereit, eine Ratenzahlungsvereinbarung zu treffen — insbesondere bei hohen Nachzahlungen. Bitten Sie Ihren Vermieter schriftlich um Ratenzahlung und schlagen Sie einen konkreten Ratenzahlungsplan vor. Wichtig: Halten Sie die Vereinbarung schriftlich fest.
Haertefall-Einwand
In extremen Faellen kann ein Haertefall vorliegen. Wenn die sofortige Zahlung der Nachforderung fuer Sie eine unzumutbare wirtschaftliche Haerte darstellt, koennen Sie dies gegenueber dem Vermieter geltend machen. Gerichte haben in Einzelfaellen eine Ratenzahlung zugesprochen, wenn die Nachzahlung besonders hoch und der Mieter einkommensschwach war.
Sozialleistungen
Empfaenger von Buergergeld oder Wohngeld koennen die Nebenkostennachzahlung beim zustaendigen Jobcenter oder Sozialamt als Bedarf geltend machen. Oft wird die Nachzahlung als einmaliger Bedarf uebernommen — allerdings nur fuer angemessene Wohnkosten.
Was passiert bei Nichtzahlung?
Zahlen Sie die Nachforderung nicht, kann der Vermieter:
- Mahnen und Verzugszinsen berechnen
- Ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten
- Im schlimmsten Fall kuendigen — allerdings nur, wenn der Rueckstand zwei Monatsmieten erreicht (§ 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB). Einzelne Nachzahlungen reichen dafuer in der Regel nicht aus
Vorher: Abrechnung pruefen!
Bevor Sie eine hohe Nachzahlung akzeptieren, sollten Sie die Abrechnung gruendlich pruefen. Etwa jede zweite Nebenkostenabrechnung enthaelt Fehler. Haeufige Gruende fuer ueberhoehte Nachzahlungen:
- Nicht umlagefaehige Kosten in der Abrechnung
- Falscher Verteilerschluessel
- Rechenfehler bei der Berechnung Ihres Anteils
- Ueberhoehte Einzelpositionen im Vergleich zum Nebenkostenspiegel
Nutzen Sie unseren Nebenkostenrechner, um die Abrechnung nachzurechnen. Falls Sie Fehler finden, erstellen Sie mit dem Widerspruch-Generator ein formgerechtes Schreiben.
Anpassung der Vorauszahlungen
Nach einer hohen Nachzahlung darf der Vermieter die monatlichen Vorauszahlungen anpassen (§ 560 Abs. 4 BGB). Aber auch Sie als Mieter haben nach einer Abrechnung mit Guthaben das Recht, eine Senkung der Vorauszahlungen zu verlangen. So vermeiden Sie kuenftig boese Ueberraschungen.
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